Spielerischer Blick auf Junge Kunst

Sven Henric Olde

Der Dortmunder Maler Sven Henric Olde stellt in der Produzentengalerie aus Bielefeld (maf). Junge Kunst braucht ein Forum und erhält es in der neuen Ausstellungsreihe der Produzenten-Galerie. Der in Dortmund lebende Zeichner und Maler Sven Henric Olde eröffnet die Reihe mit „Eins=Hell+Dunkel“.

„Jeder Mensch versucht eins mit sich selbst, eins mit der Umwelt und die Nummer Eins zusein“, erklärtOldedie künstlerische Intention zu seinen Arbeiten. Dabei suche er nicht den Schwarzweiß-Kontrast, sondern die breite, vielschichtige Palette der Farben und das Spiel mit Tonwerten. Helligkeit und Dunkelheit ergänzen sich und stehen symbolisch für die positive oder negative Seite des Lebens, das Eine nicht ohne das Andere denkbar. 

In Nienburg ist der 29-Jährige geboren, wächst in Sendenhorst auf und kommt zum Studium an die Fachhochschule für Gestaltung nach Bielefeld. Den „Master of Arts“ macht er bei Andreas Beaugrand und Nils Hoff mit dem Kunstbuch „In der Ferne die Möwen“. Eine Erzählung führt durch das Buch. Der Protagonist bricht zu einer sehr persönlichen gefühlsbetonten Reise auf. Olde illustriert, vermischt Bild und Text, lädt mit kleinen Bucheinlagen zur Interaktion während der Lektüre ein.

Sven Henric Olde ist vielseitig unterwegs. Was er sieht und beobachtet, Gesichter, Dinge, kleine Szenerien, zeichnet er in seinen Skizzenblock. Manche architektonische Ansicht hält er auch als Aquarell fest oder er macht kleine Experimente zur Verfeinerung seiner Zeichenkunst. 

An die üblichen Vorstellungen von einem Bild hält er sich nicht. Ausgefranst ist der Bildrand. Malgrundkannalles sein, Pappe, Papier, Verbrauchsmaterial. Es entstehen Bilder im Bild. Altes scheint durch, überwindet die Zeit und wird Teil des Jetzt. Seine Motive erinnern an Graffitikunst, die symbolhaft und in aller Kürze erzählt und sich der einfachen Entschlüsselung entzieht. Olde widmet sich auch der kindlichen Gefühlswelt: Überlebensgroße Kindergesichter suchen den Blickkontakt. Fragen an das Leben integriert der Künstler in seine Arbeiten. Dabei ist er oft spielerisch.

Olde möchte die Menschen in Bewegung bringen. So lohnt es sich, die Straßenseite vor dem Schaufenster der Galerie zu wechseln. Von dort kann man durch das skizzenhafte, transparente Gesichter-Trio aus einem Strich auf ein ebensolches maskenähnliches zweites Trio an der Wand schauen. 

Eröffnung war am Freitag, 8. März, mit einer Einführung von Andreas Beaugrand, Rohrteichstraße 36; Öffnungszeiten bis 9. April: dienstags 16.30-18.30 Uhr, samstags 12-14 Uhr; Kontakt: (05 21) 1 36 92 00. Am Samstag, 6. April, 19 Uhr: Finissage mit Musik, Lesung aus „In der Ferne die Möwen“.

 

Neue Westfälische, 11.3.2019

FOTO: MARIA FRICKENSTEIN